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Gefahrenvorsorge

Welche Schutzausrüstung braucht man im Katastrophenfall?

Schutzausrüstung im Katastrophenfall: Atem-, Augen-, Hand- und Körperschutz nach konkreter Gefahrenlage auswählen.

Schutzausruestung Katastrophenfall
Schutzausrüstung Katastrophenfall Copyright: ivandan , bigstockphoto
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Wir zeigen, welche private Schutzausrüstung bei chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Gefahren grundsätzlich infrage kommt. Entscheidend sind immer die Warnungen und Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte.

Es muss nicht unbedingt der atomare Unfall oder ein Nuklearkrieg sein, es reicht schon der Brand in einer Chemiefabrik, ein Unfall mit einem Gefahrentransporter oder eine unachtsame Lagerung von Chemikalien und schnell treten Risiken für Leib und Leben auf. Auch handelsübliche Haushaltsreiniger, Farben, Lacke und Säuren bergen Gefahren für Haut, Augen und Lungen. Daher ist es von Vorteil, wenn Sie geeignete Schutzausrüstung zu Hause haben. Im Ernstfall haben Betroffene diese schnell zur Hand und können sich und ihre Lieben schützen.

Sicherheit zuerst: Keine Maske und kein Schutzanzug schützt pauschal gegen alle Gefahren. Filter müssen zum Stoff passen; bei Sauerstoffmangel oder unbekannter Atmosphäre ist sofort der Gefahrenbereich zu verlassen und der Notruf zu wählen.

Checkliste: Schutzausrüstung für Gefahrstoffe

  • Was sind potenzielle Gefahrstoffe? Chemische (C), biologische (B), radiologische (R) und nukleare (N) Gefahrstoffe gehören zu den sogenannten CBRN-Gefahrstoffen. Früher nannte man diese „ABC-Gefahrstoffe“ (atomar, biologisch und chemisch). Diese treten in Form von Gasen, Aerosolen, Dämpfen, Flüssigkeiten oder festen Stoffen auf. Bei einem Verdacht rufen Betroffene die Feuerwehr.
  • Welche Risiken bestehen? Chemische Gefahrstoffe vergiften Haut und Körper. Sie können zu Verätzungen führen. Zu den biologischen Gefahrstoffen gehören Toxine, Bakterien, Parasiten, Viren und Pilze. Sie können schwere Erkrankungen beim Menschen auslösen. Betroffene nehmen diese durch die Haut und die Schleimhäute auf. Radioaktive Stoffe schädigen die Zellen und können zu Krebserkrankungen führen. Die Aufnahme erfolgt durch Wunden und Einatmen.
  • Rauchentwicklung: Kommt es in der Umgebung zu einem Brand, müssen Betroffene Abstand halten, Gebäude verlassen oder Schutz suchen – je nach Anweisung der Einsatzkräfte. FFP-Masken können Partikel filtern, schützen aber nicht vor giftigen Gasen und ersetzen keinen geeigneten Flucht- oder Atemschutz.
  • Was gehört zur Schutzausrüstung dazu? Nur Atemschutz mit einem zum jeweiligen Gefahrstoff passenden Filter kann vor bestimmten Dämpfen oder Gasen schützen. FFP-Masken reichen dafür nicht aus. Mit Schutzanzügen vermeiden Nutzer Kontakt mit der Haut. Schutzbrillen schützen die empfindlichen Augen. Chemikalienresistente Handschuhe verhindern eine Kontamination der Hände. Kam es zur Freisetzung biologischer Gefahrstoffe, empfiehlt sich zusätzlich die Desinfektion der Hände.
  • Informiert bleiben: Radio, TV-Nachrichten und das Internet informieren bei Gefahren. Teilweise gibt es auch Lautsprecherdurchsagen von Einsatzkräften und Behörden. Die Warnapp „NINA“ informiert zeitnah über das Geschehen und darüber, was zu tun ist.

Masken & Schutzausrüstung

Um Mund und Nase abzudecken, gibt es OP-Masken, FFP-Masken und Atemschutzmasken:

  • FFP-Masken schützen Nutzer vor partikelförmigen Schadstoffen wie Rauch, Staub und Aerosol. Erhältlich sind Produkte der Schutzstufen FFP1, FFP2 und FFP3. Dabei filtern höhere Stufen gesundheitsschädliche Schadstoffe effektiver und wirken auch bei einer größeren Schadstoffkonzentration.
  • FFP3-Masken schützen gegen krebserzeugende, gesundheitsschädliche Partikel auf der Basis von Wasser und Öl. Je nach Kennzeichnung und korrektem Sitz können geeignete Masken die Aufnahme bestimmter Partikel reduzieren. Sie schützen weder vor ionisierender Strahlung noch pauschal vor biologischen oder chemischen Gefahren. Bei korrektem Sitz filtern FFP3-Masken mindestens 99 Prozent der luftgetragenen Partikel. Sie senken die Exposition gegenüber Aerosolen, bieten aber keinen absoluten Schutz vor Infektionen.
  • FFP2-Masken tragen Nutzer bei der Notfallversorgung. Sie bieten Schutz vor einer Infektion durch das Coronavirus SARS-CoV-2 und anderen Erregern.
  • FFP1-Masken schützen nur vor ungiftigen Partikeln auf Öl- und Wasserbasis.
  • OP-Masken verhindern Tröpfcheninfektionen. Sie eignen sich zur medizinischen Versorgung und bieten bedingten Schutz vor Keimen.
  • Voll- und Halbmasken schützen nur mit einem geeigneten, unbeschädigten und korrekt eingesetzten Filter gegen die jeweils angegebenen Stoffe. Filtertyp, Einsatzdauer und Passform müssen zur Gefahr passen; bei unbekannten Stoffen ist eigenständiges Vorgehen riskant.

Schutzanzüge

Schutzanzüge: Die Anzüge sind antistatisch und entsprechen speziellen Normen. Produkte nach EN 14126 schützen gegen Infektionserreger. Artikel nach EN 1073-2 verhindern die Aufnahme radioaktiver, kontaminierter Partikel. Arten von Schutzanzügen:

  • Chemikalienschutzanzüge/medizinische Overalls: Der Anzug aus Polyethylen mit Gummizügen schützt vor Infektionserregern sowie Flüssigkeiten und Partikeln.
  • Flüssigkeitsdichte Schutzkleidung: Die impermeablen Schutzanzüge verhindern eine Kontamination durch radioaktive Stäube, biologische Stoffe und Spritzer von flüssigen Chemikalien. Die meisten Modelle richten nichts gegen radioaktive Strahlen und Gase aus. Sie schützen etwa zwei Stunden vor Industriechemikalien in flüssiger Form sowie gegen die Kampfstoffe Soman, Schwefel-Lost, VX und Sarin.
  • Overgarment: Diese Modelle eignen sich für Einsatzkräfte. Sie schützen gegen die Dämpfe chemischer Kampfstoffe und kleine Tröpfchen. Die Anzüge bieten keinen Schutz vor flüssigen Gefahrenstoffen und sind nicht gasdicht. Die Produkte eignen sich für das mehrstündige Tragen.
  • Staubschutzanzug: Staubschutzanzüge dienen bei Arbeiten am Haus der Gefahrenvorsorge. Sie schützen Kleidung und Haut vor Stäuben, Schmutz und Farbspritzern. Sie bieten sich auch bei anschließenden Reinigungsarbeiten an.

Diese Produkte gehören zur privaten Schutzausrüstung:

Zur Schutzausrüstung gehören:

  • Atemschutzmaske (Vollmaske, Halbmaske)
  • Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske, FFP2- oder FFP3-Maske)
  • chemikalienbeständiger Schutzanzug
  • Overgarment
  • Staubschutzanzüge
  • Schutzbrillen
  • Schutzhandschuhe

Wie kommt die Schutzausrüstung zur Anwendung?

Kommt es zur Freisetzung von Gefahrstoffen, folgen Betroffene zuerst den Warnungen und Anweisungen der Behörden. Vorhandene Masken oder Schutzkleidung dürfen nur entsprechend ihrer ausgewiesenen Schutzwirkung verwendet werden. Wichtig ist, dass Betroffene im Gebäude verharren. Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben. Zudem schalten sie Ventilatoren und Klimaanlagen ab. Sie schließen die Lüftungsschlitze am Fensterrahmen. Im Notfall dichten Betroffene die Bereiche mit Decken und Folien ab, um das Eindringen von Gasen und Dämpfen zu verhindern. Im Bestfall halten sich Anwohner in einem Raum ohne Fenster auf. Bei einer Freisetzung radioaktiver Stoffe sind amtliche Warnungen entscheidend. Je nach Lage kann ein innen liegender Raum oder Keller Schutz bieten; Fenster und Türen schließen und die konkret angeordneten Maßnahmen befolgen.

Foto Copyright: ivandan , bigstockphoto